Dienstag, 18.12.2012

Julestemning og mørketid

Weihnachtsstimmung und dunkle Jahreszeit

Hei hei ihr Lieben,

das Jahr neigt sich dem Ende und bringt bibber-kalte Temperaturen (aktuell -16°C) & viel Adventsstimmung mit sich. Ich hoffe seit Wochen auf richtigen Schnee, aber nachdem es die letzten Wochen entweder zu kalt oder zu trocken war, hat es Petrus diese Woche endlich geschafft, ein paar traurige Flocken herabtanzen zu lassen. Jetzt ist es immerhin weiß und nicht nur eiskalt, das ist schön – reicht aber leider zum Ski fahren noch nicht ganz aus. Noch am gleichen Abend habe ich mich mit ein paar Freunden auf die Bretter geschwungen und bin einmal kreuz und quer und rauf und runter durch die Wälder gejagt – macht total Spaß (Mama & Papa, tut mir leid, dass ich früher immer so maulig war, wenn's ans Langlaufen ging!), ist total anstrengend, bringt total viele blaue Flecken hervor (viel Schnee = weich fallen) und wir fühlten uns gleich ziemlich «norwegisch»!

Soweit man dem Wetterbericht trauen kann, wird das wohl mein letzter Skiausflug gewesen sein – die Temperaturen sollen sich konstant unter -10°C halten, da ist die Hoffnung auf Schnee gleich null. Schade!

Neben Schnee (oder nicht Schnee) und Kälte bringt der Dezember noch eines mit sich – Dunkelheit! Sonnenaufgang ist mitlerweile 9:51, Sonnenuntergang 14:43, das macht knappe 4 Stunden Helligkeit und ziemlich müde! Ich habe mich allerdings schon ganz gut angepasst und versuche, so viele Aktivitäten in den Abend zu legen, damit ich nicht um 18.00 schon bettreif bin! Und da man stets bedacht ist, in allen Dingen etwas Positives zu entdecken: so herrscht immerhin 4 Stunden lang ein schönes Sonnenauf- bzw. (nahtlos übergehend) Untergangspanorama.

Ausblick Tronheimpanorama Wenn man sein Radl 6 Stunden an der Uni stehen lässt.. Christians 2. Skiversuch - diesmal ohne Schlüsselbeinbruch, hossa! 14:08 ;) Die Piste hatte es in sich, die an uns vorbei joggenden Norweger haben uns ein wenig belächelt, dass wir bei 3 Flocken gleich auf die Ski springen! Die Piste hatte es in sich, die an uns vorbei joggenden Norweger haben uns ein wenig belächelt, dass wir bei 3 Flocken gleich auf die Ski springen!

Obwohl grade alle im Prüfungsstress sind, mangelt es in der Weihnachtszeit nicht an Möglichkeiten zum Trinken & Fröhlichsein. Schon Ende November hatten wir eine kleine Mediziner-Weihnachtsfeier («juleblot») mit vielen betrunkenen, als «nisse» (Weihnachtselfen) verkleideten Norwegern und jede Menge Spaß. Diese Woche folgte dann das offizielle Weihnachtsessen («julebord») mit nicht weniger betrunkenen Norwegern und vielen traditionellen Weihnachts-Spezialitäten:

«pinnekjøtt» - getrocknetes und gepökeltes Lammfleisch, (sehr salzig!!) «julepølse» - Weißwurst ähnelndes Würstchen mit komischen Kräutern drin, «ribbe» - Schweinerücken und «kålrotstappe» - Kohlrüben- und Möhrengemüse (sehr lecker!!) und dazu ein kühles «juleøl» - Weihnachtsbier, dass so gar nicht weihnachtlich schmeckt, wiederum als positiv zu vermerken!

pinnekjøtt og julepølse - norsk julemiddag julebord julebord II julebord III riskake og grøt - Reispudding und Milchreis Juleblot Juleblot II Juleblot III Juleblot IV

Auf dem Trondheimer Weihnachtsmarkt konnten wir auch die eine oder andere, gut oder weniger gut schmeckende, Spezialität verkosten. Als Deutscher fühlt man sich klischeehaft durchaus als Teil einer Wurst-liebenden Nation, in Norwegen scheint man eine deftiges Würstle jedoch mindestens genauso zu schätzen wie «daheim»: da gibt es Wildwurst, Rentierwurst, Elchwurst, Wurst mit Beeren drin, Wurst mit Bären drin (ja, echte norwegische Bären!), Moschusochsenwurst (kleine Info am Rande: Der Moschusochse ist eigentlich eine Ziegenart...und sind die nicht eigentlich geschützt?) und Sonstwaswurst. Die durften natürlich alle verkostet werden und führten zu dem einen oder anderen netten Gespräch. Neben Würsten lieben die Norweger auch Fisch, ganz klar. Noch habe ich es immer geschafft, der Verkostung des traditionellen «lutefisk» zu entgehen (ein in Lauge eingelegter Trockenfisch, meist «torsk» - Dorsch, mit geleeartiger Konsistenz und charakteristischem Geruch. Ihr rümpft die Nase zurecht!), konnte jedoch nicht umhin eine andere Spezialität, «rakfisk», zu probieren – soweit ich richtig übersetzen konnte in einem Zucker und Salzgemisch über mehrere Monate fermentierte Forelle die nach altem französischem Käse schmeckt. Die Fischer haben sich ein wenig ins Fäustchen gelacht, als wir unsere Gesichter verzogen. Komische Dinge werden hier verzehrt!

 

Die Tage sind nun wirklich gezählt, ich fange an zu packen und mir wird immer bewusster, dass meine Zeit hier bald vorbei ist – ein sehr sehr trauriger Gedanke. So sehr ich mich auch freue, euch alle bald wieder zu sehen, die Vorfreude auf Weihnachten ist dennoch bittersüß..

Ha det bra & bis bald

 

Anne

Freitag, 14.12.2012

Lære av livet, lære for livet

 Vom Leben lernen, für's Leben lernen

Wie versprochen berichte ich euch nun endlich von meinem Unialltag. Seit 4 Monaten studiere ich jetzt schon fleißig und ich glaube ich habe in meiner gesamten Medizinerkarriere nicht so viele Vorlesungen besucht.

Zunächst müsst ihr wissen, dass es in Norwegen höchst schwierig ist, einen Medizinstudienplatz zu bekommen, u.a. da es nur 4 medizinische Fakultäten (Oslo, Bergen, Trondheim & Tromsø – nebenbei erwähnt die nördlichste Universität der Welt) und beschränkte Studienplätze gibt. Das Studium an sich ist dem unseren sehr ähnlich, wenn auch mit deutlich mehr Praxisanteil. Nach 6 Jahren Studium folgen 18 Monate Praxiserfahrung («turnus») ähnlich dem PJ aber mit mehr Verantwortung & vernünftigter Honorierung, davon 6 Monate in der hausärztlichen Versorgung. Ich kann förmlich spüren wie die Reformis unter euch bei diesem Stichwort innerlich aufschreien, aber der Hausarzt hat in Norwegen eine etwas andere Stellung und viel weitreichendere, interessantere Aufgaben als der deutsche. Generell kann man sagen, ist er in jedem nicht akutmedizinischen Fall Ansprechpartner #1 - Kinderheilkunde, Schwangeren- und Krebsvorsorge-Untersuchung usw. eingeschlosssen. Niedergelassene Fachärzte gibt es kaum, dafür viele Ambulanzen & Polykliniken in den Krankenhäusern, die meisten werden aber Hausärzte.

Okay so viel zur Theorie. An meinem ersten Tag an der Uni (wir bekamen eine Führung, Begrüßung von der Fakultätsleitung & ich fühlte mich noch einmal ins 1. Semester zurückversetzt) war ich ein wenig vor den Kopf gestoßen, als ich mich plötzlich in einem Hörsaal voller Marias, Chloés, Peters & Juans befand – wo waren die Thors & Stines? Anscheinend war dies das erste Semester in dem sich mehr Austausch-Studenten als Einheimische befanden. Sowohl für «uns» als auch für «sie» war das im ersten Moment eine eher ernüchterne Feststellung. Multikulti hin oder her – ich war doch eigentlich hier, um «norwegisch» zu leben/lernen. Für Multikulti kann ich auch im Wedding bleiben, da is'it ooch billja! Ich habe mich schlussendlich recht schnell damit abgefunden, dass das mit dem «echten norwegischen Leben» wohl doch nichts wird. Die Norweger bleiben ganz gerne unter sich, wir bilden eine kleine Europäische Union.

Da zudem alle Vorlesungen komplett auf englisch gehalten werden, wird auch nicht viel aus dem «norwegisch lernen». Auch schade irgendwie. Aber immerhin poliere ich meine medical-english-skills so auf mittleren Hochglanz. Das ist am Ende vielleicht sogar mehr wert, wer weiß.

Vorlesungen sind eben Vorlesungen (ich bekenne mich als nicht gerade begeisterten Anhänger) und nicht viel anders als bei uns, aber 3 Dinge haben mich doch fasziniert:

I) die Masse an Veranstaltungen (Mo, Di & Fr meist 8.15 – 16.00)

II) das ziemlich perfekte Englisch auch der höheren (und noch höheren) Generation

III) die ziemlich perfekte Anwesenheitsquote der norwegischen Studenten (Ich habe euch ja vorhin schon berichtet, dass es recht schwer ist, hier einen Studienplatz zu bekommen. Ich glaube daher, das sind alles kleine Nerds und fühle mich gar nicht schlecht dabei, während der 1,5h Mittagspause oder nach Vorlesungsschlusss nach Hause zu fahren und ein Nickerchen zu machen oder «im Internet rumzuhängen», anstatt wie sie in die Bibliothek zu gehen.)

Da in den Prüfungen jedoch angeblich wirklich nur jenes abgeprüft wird, zudem es auch eine Vorlesung gab, motiviere ich mich doch meistens dazu hinzugehen – wenn auch definitiv selten von 8-16 Uhr. Unserer vom Internet & Fernsehenen verdorbenen Aufmerksamkeitsspanne angepasst, dauern die VL meist nur 45 Minuten plus 15 Minuten Pause. Das ist sogar noch besser als Schule! :)

Zusätzlich finden jeden Donnerstag 3 Stunden «Problem Based Learning» statt, dass ist im Grunde wie unser «Problem Orientiertes Lernen» (eine Art interaktive Fallbesprechung) allerdings mit deutlich mehr Beitrag des jeweiligen Dozenten. In jeder Sitzung bekommen wir einen anderen Experten, meist einen Ober- oder Chefarzt (überlegt euch mal, was das kostet!) zur Seite gestellt und fragen uns zum jeweiligen Thema gegenseitig aus. Dadurch bleiben «brainstorming» und Selbststudium zwar ziemlich auf der Strecke, allerdings lerne ich dadurch tatsächlich mehr (denn mal ehrlich, wer ist denn zu POL jedesmal blendend vorbereitet).

Dritter und letzter Bestandteil des Curriculums ist das «uketjeneste» oder auch «clinical teaching», findet 2x wöchentlich in dem jeweiligen Fach statt, durch welches man gerade rotiert und ist so ziemlich das Beste am hiesigen Studium. Wir gehen zusammen mit den Ärzten auf Station oder in die Polyklinik und «visitieren» oder bekommen speziellen Extraunterricht z.B. Skillslab, Fallvorstellungen uvm. Auf freiwilliger Basis kann jeder der möchte 2x 24h im Kreissaal verbringen (es gibt sogar extra Pausen- und Schlafräume für Studenten überall im Krankenhaus!) oder den «doctor on call» in seiner Rufbereitschaft begleiten. Ist meistens total gut organisiert, das kann ich von den klinischen Bestandteilen meines bisherigen Studiums leider so gar nicht behaupten. Die Dozenten sind immer vorbereitet, freundlich und nehmen sich viel viel Zeit für uns. Für euch hört sich das möglicherweise sebstverständlich an, glaubt mir, so ist es in der Regel in Berlin nicht.

Schuld daran tragen sicher nicht die Berliner Ärzte, sondern das System, dass sie zwingt, die 3 Stunden die sind mit uns verbringen an ihren sowieso schon 10h langen Tag dranzuhängen. Klar schleift da die Motivation. Hier merkt man richtig, dass die Ärzte deutlich mehr Zeit haben, viel viel (!!) weniger Patienten und dass allgemein ein angenehmeres Klima sowie kaum Hierarchie (denn hier duzen sich ja alle) herrscht.

St. Olavs Hospital St. Olavs Hospital II - so schön is es wirklich überall  Gibt's an der Chartité eigentlich auch nen Spielplatz?!

Also wie ihr seht, bin ich doch nicht nur zum Wandern, Surfen und Lustigsein hier. Es wird auch fleißig gearbeitet. Da die meisten Veranstaltungen sinnvoll & gut sind, fällt das auch gar nich unbedingt schwer. Die Ausbildung ist in so vielen Punkten deutlich besser als die unsere und die Norweger haben ziemlich viel Ahnunung. Sie werden jedoch auch zu «Allgemeinärzten» ausgebildet, was sicherlich eine gute Idee ist, mir manchmal aber doch zu oberflachlich.

Seit letzter Woche weiß ich nun auch, dass ich die Prüfungen nicht mitschreiben muss, (sonst müsste ich doppelt lernen, denn im Februar müsste ich sowieso ran) und habe deshalb noch schnell ein 8 tägiges Blockpraktikum auf der Nephrologie eingeschoben. Das war total entspannt und weil keiner so richtig wusste, was ich da machen sollte, konnte ich ganz gut & selbstständig in viele verschiedene Abteilungen reinschnuppern (Polyklinik, Visite auf Station, ambulante OPs, Rettungsstelle uvm) das allerspannendste war aber, den Laparoskopie-Roboter "Da Vinci" mal in Aktion zu erleben! Wer's nicht kennt, folgt einfach mal diesem Link http://www.youtube.com/watch?v=0NZLpWrJGgk (klikk) - total abgefahren!!

Die Uni ist jetzt offiziell vorbei und ich fange so langsam an zu packen...

Bis dahin & das ist schon bald!


Ha en god adventstid,

Anne

Dienstag, 20.11.2012

Nye og gamle venner

Neue und alte Freunde

Hei hei ihr Lieben,

gestern habe ich einen in meinen Kalender geworfen und dabei erschrocken festgestellt, dass ich mich in nur 31 Tagen höchstwahrscheinlich schon auf dem Rückweg in die «Heimat» befinde. Abzüglich der 6 Tage die ich für ein Seminar nach Berlin kommen muss, bleiben noch 25 Tage, das sind 600 Stunden (von denen ich sicher noch mal 150 verschlafe..)! Auch wenn ich euch alle sehr vermisse, so schmerzt der Gedanke daran, dass meine Zeit und mein Leben hier bald vorbei sein werden, doch auch sehr.

Aus dieser nostalgischen Stimmung heraus habe ich einmal mein digitales «Trondheim»-Fotoalbum durchblättert und freue mich riesig, dass in so kurzer Zeit so viel Schönes erleben & so viele tolle Menschen kennenlernen durfte! (Eher für mich selbst) hier ein kleiner Auszug der vielen, vielen Gesichter - ich werde die Zeit mit euch nie vergessen (und entschuldige mich schon im Vorraus bei allen, die sich ganz furchtbar entstellt fühlen ;) ).

Unsere erste   Es gibt einen norwegischen Sommer! Puhh.. Da lechzten die Französinnen nach frischem Baguette :) Südkoreanisches Blut brachte ziemlich viel Leben in die Bude!Belgisch-Deutsch-Niederländische Freundschaft   Sind die 80'er schon zurück?!     Halloween - Könnt ihr unsere Kostüme erraten? Tysk middag - Deutsches Abendbrot The French ConnectionWanderfreunde Lofoten e.V. Wanderfreunde Lofoten e.V. Schnee im September       

Neben neuen gibt es auch ein paar «alte» Gesichter zu bestaunen, vor 2 Wochen hatte ich Besuch von Luise, Sophie & Tatti und wir haben ein wirklich fabelhaftes Wochenende mit viel Wein, Eierkuchen, Pizza und traumhaftem Wetter in Trondheim verbracht!

So, nun aber genug in Vergangenem geschwelgt – es wird Zeit, die verbleibende Zeit auf's Beste zu nutzen – nytte dagen!

 Ha det bra & nun wirklich bis ganz bald

Anne

         Habe meinen eigenen Rekord gebrochen - 8 Stück Pizza - und musste dann den Berg hinunter rollen

Donnerstag, 08.11.2012

Fjord, fjell og hav

Fjorde, Berg & Meer

Hei hei ihr Lieben,

Mitlerweile ist es richtig winterlich in Trondheim. Ich habe mir grade Langlaufski ausgeliehen, damit geht es morgen zum ersten mal ab auf die "Piste" - für das echte norwegische Gefühl! Heute gibt es mal wieder einen bilderreichen Bericht. Auch wenn Bilder die Realität oft nur schwer einfangen können, sprechen sie diesmal doch gut für sich.

Vor 2 Wochen fuhr ich recht spontan mit 16 anderen Erasmus-Studenten und 3 Norwegern für ein Wochenende nach Hoddevik (etwa auf halber Strecke zwischen Trondheim und Bergen) zu einem der besten Surfspots ganz Norwegens. Surfen im Nordpolarmeer? Ich war anfangs auch sehr skeptisch, vor allem was Wassertemperatur und Wellenhöhe anging – okay eigentlich hatte ich mal wieder nur höllisch Schiss davor zu erfrieren! ;) Ich kann euch aber schon mal vorweg sagen, dass ich im Wasser wirklich nur ein einziges mal gefroren habe, und das war während einer ziemlich langen Durststrecke am letzten Morgen. Durch das viele Paddeln (und Wellenreiten besteht zu 90% aus paddeln) wurde das bisschen Wasser, dass durch die Öffnungen an Kopf und Händen in den Neoprenanzug kam, super schnell erwärmt und ich fand es sogar erfrischend, ab und zu ne kalte Welle abzubekommen :)

Aber nochmal zurück auf Anfang: 2 Tage vor Abfahrt hatte es ziemlich (und zum ersten mal) geschneit, ihr könnt euch also vorstellen, wie chaotisch die Verhältnisse auf den Straßen waren. Mitten in einem Schneesturm war für ein paar Sekunden auch mal nichts außer Weiß zu sehen, ich war ganz froh, nicht fahren zu müssen. Ohne Spikes an den Reifen mussten wir die Berge umgehen und den längeren (dafür schöneren) Weg entlang der Küste und des berühmten «Atlanterhavsveien» nehmen. 16h für 500km ist ein guter Schnitt, oder?

 Schneesturm. Wollen wir wirklich wellenreiten?!Atlanterhavsveien - Atlantic Road zwischen Kristiansund und ÅlesundEine Brücke ins Nichts - AtlanterhavsveienZiemlich windig hier draußen!Atlanterhavsveien (als mal kurz die Sonne hervorkam)Unser QuartierBlick über HoddevikPhotobomb :)Wandern statt surfen IIWandern statt surfenVon obenwar so frostig, wie's aussieht!

Am nächsten Morgen lange Gesichter: Sturm und bis zu 6m hohe Wellen. Nichts für Anfänger. Wir gingen erstmal Wandern. Am Nachmittag waren die Wellen zwar noch chaotisch, aber deutlich kleiner – wir stürzten uns also doch noch in die Fluten! Da ich vorher schon ein paar mal sehr wackelig auf dem Brett gestanden bin, gelang es mir schon das eine oder andere mal, ganz elegant auf- und noch viel eleganter abzusteigen. Für den ersten Tag aber kein schlechter Start! Am Samstag waren die Wellen sogar noch etwas kleiner und der Wellenabstand größer. Bei den guten Bedingungen hab ich es während der 2 etwa 1,5-2 stündigen Sessions morgens und nachmittags sogar geschafft, ein paar Wellen komplett zu surfen, yeah! Natürlich ohne tolle Tricks, Wellenreiten ist immer noch einer der schwerst zu lernenden Sporte (Sporte? Gibt es dazu wirklich ein Plural? Der Duden sagt immerhin ja..). Sonntag dann wirklich eine totale Wellenflaute mit maximalen Höhen von 1m, am Strand noch kleiner. Die meisten wollten's trotzdem versuchen und so machten wir uns kurz nach Sonnenaufgang noch mal auf zu einer letzten Session, auch wenn mir Arme und Schultern raten, lieber noch eine Weile im Bett zu bleiben ;) Die eine oder andere gute Welle ist aber dennoch dabei und noch dazu trainiert man seine Geduld beim Warten auf den nächsten «swell» wie die coolen Surfer sagen.  

 

Ohne Worte!Gut einpackt, damit auch keiner friert!Die 10min zum Strand wurden gejoggt, da wird man schon mal warm im Neo!groß, so ein Brett! dafür sind die Longboards super stabilWorauf warten wir noch?! Ab in die Wellen!Paddeln...paddeln......take-off! Trockenübungen :)Das Schwierigste war fast das an- und ausziehen!Wir fühlten uns schon ein bisschen Go Pro (Unterwasser-Handgelenkskamera, deswegen die Fischaugenperspektive)VerschnaufpauseDer harte Kern: Alexis, Ragheed, Anne, Simon, Jan, Ruben, Jouan, Juanma (vlnr)Wie wir uns fühlten....wie wir wirklich aussahen ;)total kaputtaber voller Endorphine! :)Iva loves to dance.ganz stolz!Small girl, big board :)Ruben, Stian, Niko, Christine, Tobias, Simon, Ragheed (oben vlnr); Nico, Kati, Caroline, Alexis, Kathrin, Iva, Anne (unten vlnr) es fehlen Jan, Andreas, Noelia, Juanma, Jouan, Nach ein paar Versuchen hab ich aufgegeben. Außerhalb des Wasser war's einfach zu kalt!Surfer-HauptquartierAbendstimmung

Raus aus dem Neo (zum Duschen gab es übrigens nie warmes Wasser!), rein ins Auto, wir hatten schließlich noch eine lange Fahrt vor uns. Die begann auch gleich ereignisreich, denn unsere Allwetterreifen schafften nicht mal den ersten, nicht gerade steilen Berg aus dem Tal hinaus. Mit ein bisschen Schieben und Gut-zu-Reden haben wir es nach einigen Anläufen doch endlich geschafft und kamen spät abends wieder wohlbehalten zu Hause an.

Mein Fazit und Tipp für euch alle da draußen: Wellenreiten ist megageil, probiert es unbedingt aus und lasst euch von anfänglichen Schwierigkeiten oder Schneestürmen nicht abhalten. Das Gefühl, von der Welle getragen zu werden ist einfach unbeschreiblich und gibt einen ordentlichen Endorphin-Schub!

Ha det bra & bis bald,

Anne

wir haben den Berg gemeistert! Und Kati hat das echt super gemacht, ich wäre sicher in leichte Panik verfallen.Panorama im Dovrejfell

P.S.: Habe die verschollen Bilder der Canon auftreiben können. Die restlichen Bilder findet ihr in "Frem og tibake".             

Mittwoch, 07.11.2012

Nordfor sola

Nördlich der Sonne

Hei hei kjære venner,

vinteren har endelig kommet til Trondheim – der Winter ist da!

Vorletzten Freitag viel der erste Schnee und ist eine Weile auch hartnäckig geblieben. Bei max. Temperaturen von -10°C nachts auch kein Wunder. Ich bin ein bisschen traurig, dass der bunte, sonnige Herbst schon vorbei ist, deswegen berichte ich euch jetzt erstmal von meiner Reise nördlich des Polarkreises und den atemberaubenden Lofoten 12.-21.10.2012.

Dag 1 - Da wir (Judith, Lorenz, Christoph, Friedemann & ich) flexibel und unabhängig reisen wollen haben uns ein Auto gemietet. Das ist zu 5. vergleichsweise sogar günstiger als zu fliegen oder den Zug zu nehmen (die Zugstrecke endet übrigens in Bodø. Da die norwegische Regierung sehr bestrebt ist, Nord-Norwegen attraktiver zu machen und wieder mehr zu besiedeln, frage mich warum die restlichen 1000km zum Nordkap nicht ausgebaut werden..) Tag 1 unserer Reise verbrachten wir zu 98% im Auto und meisterten die 800km zu Fähre nach Bognes in nur 16 Stunden (Achtung, Ironie! Schlaue Köpfchen haben natürlich schon überschlagen, dass sich daraus eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50km/h ergibt. Schmale, kurvige Straßen sowie Bodenfrost und frühe Dunkelheit führen dazu, dass wir die maximale Geschwingeit von 80km/h nicht immer ausnutzen konnten. Dafür ist die Landschaft unglaublich schön ;) ). Des nachts passierten wir den Nordpolarkreis, im Dunkeln aber keine große Attraktion. Daher beschlossen wir, auf dem Rückweg und hoffentlich im Hellen nochmal halt bei 66°N zu machen!

Damit wir morgens so früh wie möglich auf die Lofoten übersetzen können, schlugen wir unsere Zelte in der Nähe der Fähre auf einem einsamen Rastplatz auf (Zelten ist überall in Norwegen gestattet!). Trotz 2 Schlafsäcken fand ich es bei -4°C doch ziemlich frisch um die Nase..

KITT :) 1. Übernachtung. Für die ganz harten unter freiem Himmel. Die Sterne waren aber auch wirklich verlockend!

Dag 2 – Der Tag startete ereignisreich, beim Frühstück (unser Standartfrühstück war Haferbrei [Porridge], klingt eklig, ist aber warm und schmeckt gar nicht mal schlecht) begrüßte uns eine Elchfamilie mit Kind und Lorenz & Christoph überbrückten die Wartezeit an der Fähre mit angeln. Die beiden selbstgefangenen Fische wurden abends über dem Ofen gerillt! Auf der Fahrt über die Vesterålen & Lofoten passierten wir Svolvær, die größte «Stadt» der Lofoten, machten uns aber nach nur kurzem Stopp weiter auf zu unserem heutigen Ziel, Selfjord auf der Insel Moskenes. Da die Sonne verlockend lachte und wir natürlich nicht nach Trondheim zurückfahren konnten, ohne im Polarmeer angebadet zu haben, beschlossen wir die günstige Gelegenheit zu nutzen und stürtzen uns todesmutig an einem Strand, der mit karibischen eindeutig mithalten konnte, in die Fluten. Den aus Deutschland mitgebrachten Cognac (danke Mama&Papa) konnten wir zum Aufwärmen gut gebrauchen! Da sich die Sonne mitlerweile schon recht früh verabschiedet, mussten wir dann noch in ziemlich rasantem Tempo einen Berg erklimmen, um sie im Meer untergehen zu sehen.

Sonne genießen auf der FähreSvolværVerlockend, oder?brrrr..schnell wieder aufwärmen (es gibt sogar ein Beweisvideo vom Baden, ich weiß aber nicht wie man das hochläd!)unser Rettungsboot ;)Für den Sonnenuntergang mussten wir ganz nach oben (vlnr Anne, Judith, Friedi, Christoph) Fjord og fjell og stranda!Selfjordhytta

Dag 3 – Heute starteten wir, bepackt mit Zelt, Schlafsack & Co., unsere erste richtige Wanderung zu einem menschenleeren Strand mitten im Nirgendwo. Das Wandern am Nordhang war aufgrund von Bodenfrost & vereisten Felsen ziemlich schwierig. Der schwere Rucksack trugt auch einiges zum Balanceverlust bei ;) Dafür gabs unterwegs gefrorene Blaubeeren als Stärkung! Als wir die 420 Höhenmeter überwunden hatten, bot sich aber ein wirklich atemberaubender Ausblick über unser heutiges Nachtquartier! Die Landschaft erinnert ein wenig an das «Herr der Ringe» Panorama und als der Sonnenuntergang die Gipfel in ein tiefes rot tauchte, fühlten wir uns ein bisschen wie auf dem Weg nach «Mordor» ;) Gezeltet wurde auf einer kleinen Landzunge direkt am Meer (da wir den Tidenhub nicht genau abschätzen konnten leider nicht am Strand), dadurch war die Nacht trotz Minusgraden schon deutlich weniger kalt! Dank des sternenklaren Himmels konnten wir die bisher schönsten Nordlichter bestaunen!

auf geht's!Horseid Stranda - unser Quartier für die Nacht700m Fels!Unser Zeltplatz am Meermystisches Licht bei Sonnenuntergangim Zelt wars total gemütlich!Nordlichter!! (gut, die Belichtungszeit der Kamera lügt ein bisschen. denkt euch das Rote weg, dann ist es ziemlich realistisch!)   

Dag 4 – Für den nächsten Tag hatten wir 2 Optionen – entweder zurück zur Hütte wandern, denn da hatten wir das Auto stehen lassen, oder das Risiko eingehen und über einen anderen Berg in ein kleines Fischerdörfchen wo hoffentlich eine Fähre in die nächste Stadt halt macht. Ohne Handyempfang ein gewagtes Unterfangen, wir haben ein wenig gepokert und am Ende hat auch alles geklappt. Die Fähre fährt nämlich sogar 2x täglich ;)

Angekommen in Reine machten wir uns zu 3. auf die Suche nach einer Unterkunft (Judith & ich wünschten uns eine heiße Dusche!) und lernten dabei ein paar interessante & unglaublich hilfsbereite Einheimische kennen. Eine günstige Behausung (eine ehemalige Fischerhütte mit Dusche!) war bald gefunden, und während Friedi & Lorenz noch über die Inseln trampten um das Auto zurück an Ort und Stelle zu holen, begannen wir schon mal die 5 Fische, die die Jungs heute morgen gefangen hatten für's Abendessen fit zu machen. Die Nacht in einem richtigen Bett haben wir alle unglaublich genossen!

Tschüß!!Friedi, Christoph, Anne, Lorenz (vlnr)Mat-pauseWarten auf die Fähre. (in Kirkefjord lebt tatsächlich 1 Fischer)Reine Sonnenuntergang über ReineUnsere gemütliche FischerhütteKinder kommt zu Tisch, es gibt selbstgefangenen Fisch (und Wein!)

Dag 5 – Schon früh morgens verließen wir die Hütte (denn man muss die Sonnenstunden mitlerweile ausnutzen, Sonnenuntergang ist um 17.00) und fuhren an den westlichsten Punkt der Lofoten – ein Dorf mit dem treffenden Namen «Å» (sprich «oh»). Neben dem wie immer überwältigenden Panorama stach uns hier noch etwas anderes ins Auge – oder besser in die Nase. Å ist berühmt für den sog. «tørrfisk» (Trockenfisch), der ca. 3 Monate an riesigen Holzgestellen im Wind trocknet, und ich bin weder von seinem charakteristischen Geruch noch dem eher faden Geschmack ein großer Fan. Für Norweger aber durchaus ein guter Snack für Zwischendurch. Ihr könnt euch vorstellen, dass wir hier nicht länger als nötig verweilen wollten, so machten wir uns wieder auf nach Moskenes und starteten unsere 2. Wanderung in die Berge und zelteten auf einem der vielen Plateaus mit Blick auf das Polarmeer. Die Hütte auf der wir eigentlich nächtigten wollten war leider wegen Bettwanzen geschlossen. Wir wanderten aber trotzdem hin und haben die Wanzen ein wenig verflucht, denn die Aussicht von dort oben war wirklich phänomenal – das Meer sowohl am nörlichen als auch am südlichen Horizont, und zwischendrin wir in den verschneiten Bergen. Das Abendessen gestaltete sich ein wenig schwierig, denn bei -3°C hat unser Spirituskocher ein wenig schlapp gemacht. Geschafft haben wir es dank des aufopfernden Einsatzes der Jungs dann trotzdem (Kartusche mit den Händen aufwärmen hilft!), schlangen die blitzschnell erkalteten Nudeln im Nu hinunter und verzogen uns zu 5. in unser Zelt, dass sich dann auch recht fix auf zweistellige Temperaturen aufgewärmt hatte :)

tørrfisk in ÅAusblick vom ZeltSeen-Plateau bei MoskenesDie Wanzen-Hütte :)Friedi, Anne, Judith, Lorenz, Christoph (vlnr) erschwertes Kochen bei MinusgradenEssen ist fertig!

Dag 6 – Über Schnee & Eis wanderten wir zurück nach Moskenes und fuhren auf die Vesterålen für die vorwerst letzte Wanderung auf den Lofoten. Unser Ziel für heute war die Trollfjordhytta, eine an der Spitze des nur 100m breiten Trollfjords gelegene Hütte. Da wir unsere Tour jedoch erst gegen 15.00 starteten und das Gelände überraschend unzugänglich war (wir kamen wegen der vielen Felsen wirklich sehr schleppend voran), machten wir nach 1 1/2 Stunden vergeblicher Suche nach dem Weg kehrt. Nach Sonnenuntergang noch nicht mal in der Nähe der Hütte zu sein erschien uns bei fehlender Ausschilderung wirklich zu riskant. Zurück am Auto warfen wir einen schnellen Blick in den Wanderführer – und ratet mal was dort gleich im ersten Satz der Routenbeschreibung stand? Für die Überbrückung der ersten Kilometer entlang der Küste bräuche man ein Boot, denn zu Fuß sei der «Weg» (es gab überhaupt niemals einen Weg!) nicht zu empfehlen. Fehler, die man nur einmal im Leben macht! Wir konnten aber drüber lachen, immerhin haben wir uns nicht im Nirgendwo verlaufen :) Da uns heute nicht schon wieder nach zelten war, suchten wir eine andere Hütte auf und verbrachten einen schönen Abend mit sogar noch schöneren Nordlichtern.

über Moskenesvereiste Felsen machten den Abstieg schwerauf dem Weg zur Trollfjordhytta..

Dag 7 – Der letzte Morgen auf den Lofoten bricht an – wir müssen gen Norden weiterziehen und nehmen schweren Herzens Abschied von diesem schönen Fleckchen Erde. Gegen Abend erreichten wir Tromsø und quartierten uns bei Andy, einem Freund von Judith ein. Nach ein paar Willkommens-Bierchen trudelten wir recht bald richtung Bett.

Dag 8 – Da aus uns mitlerweile echte Wandersleut' geworden sind, wollten wir auch heute den höhsten Berg in der Umgebung besteigen – leider hinderten uns Regen & dicker Nebel an diesem Vorhaben. Stattdessen besuchten wir das kleine aber interessante Polarmuseum und lernten dort den einen oder anderen Trick wie man einem Eisbärangriff entkommt und ließen, inspiriert durch die wagemutigen Expeditionen Amundsen's und Nansen's zum Süd- und Nordpol, unserem (noch ferneren) Fernweh freien Lauf. Durch das viele Gerede von Walfang & Tranherstellung waren die Jungs ganz heiß darauf, auch einmal Walfleisch zu probieren (Norwegen ist eines von 3 Ländern, das kommerziellen Walfang betreibt), also gings schnurstraks zum Fischer und 2 Minkwal-Steaks wurden gekauft (ich kann euch sagen, es schmeckt nicht). Für Diskussionen über die Kontroversen des Walfangs ist dies wie ich finde nicht der richtige Ort, Interessierte folgen doch dem folgenden Link: http://www.greenpeace.de/themen/meere/wale_ihre_gefaehrdungen/

Abends wärmten wir uns in der Sauna wieder auf und gönnten uns in den «ølhallen» (Bierhallen) ein 10€ günstiges Mack – aus der weltweit nördlichsten Brauerei. Und wer hat's gegründet? Einmal dürft ihr raten :)

TromsøWer hat das schönste Lächeln?Moderne Architektur in Tromsø         

Dag 9 – Am nächsten Morgen hatte sich der Nebel weitesgehen verzogen und aus dem Regen wurde Schnee – gar keine schlechten Vorraussetzungen für eine kleine Wanderung. Wir erklommen also im frisch gefallenen Schnee den «Hausberg» Tromsøs und weil das Wandern im knietiefen Schnee so anstrengend war, rodelten wir auf dem Hosenboden (Regenhose sei Dank!) wieder hinunter! Kind sein macht doch immer wieder Spaß. Gegen nachmittag mussten wir uns aber auch schon wieder von Tromsø verabschieden und traten die 1200km lange Heimreise an.Ein Bad im SchneeIch habe beim Krav Maga anscheinend nicht richtig aufgepasst.. :)Tromsø mit Anne, Andy, Judith, Friedi, Christoph & Lorenz (vlnr)

Dag 10 – Wir übernachten wieder auf einem Rastplatz im Nirgendwo, es war eine der kältesten Nächte und ich war froh, als der Morgen anbrach. Gefrühstückt (natürlich mit Haferbrei) haben wir am Nordpolarkreis. Den auch nochmal im Hellen zu überqueren war das Highlight eines sonst eintönigen Tages. Fahren, fahren, fahren. Nur die vielen Rentierherden am Straßenrand und der schöne Blick aus dem Fenster konnten verhindern, dass die ganze Fahrt über geschlummert wurde. Nachts erreichten wir müde und voller unvergesslicher Erinnerungen Trondheim. Eine Reise, die ich wirklich nie vergessen werde!

letzter ZeltplatzPolarsikelen!Die Rentiere mochten das Streu-Salz3000 Kilometer!

Dienstag, 09.10.2012

Frem og tilbake

(nach vorne und zurück)

Hei hei kjære venner,

es ist schon eine Weile her, dass ich etwas von mir habe hören lassen. Mitlerweile ist der Herbst in vollem Gange - bei strahlendem Sonnenschein und kaum Regen schlagen mir die einstelligen Temperaturen aber kaum auf's Gemüt. Friert ihr schon in Berlin? Besuch ging ein & aus wie im Taubenschlag und die Zeit vergeht wie im Flug.Deswegen gib't heute ein kurzes, bilderreiches Update der letzten 3 Wochen. Man sagt ja, Bilder sagen mehr als 1000 Worte.

Mitte September hat mir Christian 1 Woche Gesellschaft geleistet und wir haben beim Sightseeing, Wandern & Kochen viele schöne Tage verbracht.

2 Tage haben wir uns in die norwegische Wildnis gewagt und in einer Blockhütte am See wunderwunderschöne unberührte Natur genossen - Würstchen über dem Lagerfeuer grillen, Sauna & im eiskalten See erfrischen inklusive! Die erhofften Elche haben sich leider nicht blicken lassen, dafür unzählige Sterne in der stockfinsteren Nacht und ich habe meinen ersten Baumstamm ofengerecht zersägt/gehackt (Muskelkater!!).

PanoramaSchwer bepackt Gefunden - unsere Hütte!FeuerstelleChristian hatte viel Spaß beim Holz hacken. Und am nächsten Tag Muskelkater!Wir waren da. Und wo bleibt Berlin?Wohin des Weges?Nach der Sauna hüpften wir in den See - und dann halberfroren schnell zurück ins Warme ;)Sonnenuntergang am See     

An den Docks  Sonnenbaden!Wandern in Trondheim Windstille Der Eule mit dem Brief aus Hogwarts muss sich wohl verflogen haben. Ich passe da dort perfekt hin, findet ihr nicht?
Vom Pizza-Turm hat man eine schöne Aussicht über die Stadt - und rollt hinterher den Hügel hinunter!

Meinen ersten Elch habe ich kurze Zeit später doch getroffen, allerdings anders als erwartet ;)

Karoline & ich kochen ein traditionelles Elchgericht. Lecker! Für Christian gab's einen Blaubeerkuchen.

Ende September kam spontan der 2. Besuch: Julia & Arnim aus Berlin bzw. Wahlheimat Bergen für 1 Wochenende. Natürlich waren wir wandern (diesmal in der schönen Bymarka, nur 30min von Trondheim entfernt) und haben uns hinterher mit Eierkuchen & Sauna belohnt. Nachdem ich in der vorherigen Woche die ersten Nordlichter über Trondheim veschlafen hatte (ärgerlich!!!), haben wir sie an ihrem letzten Abend dann, wenn auch nur kurzweilig und undeutlich, endlich erblickt. Ein schönes Abschiedsgeschenk wie ich finde. Die «auroral season» beginnt auch erst, daher bin ich zuversichtlich, sie demnächst auch noch etwas länger bestaunen zu können.

Herbst.  Ausblick vom Gråkallen. 562moh Pfannkuchen all u can eat. okay, ich habe nur 3 geschafft..tull og tøv ;) tull og tøv 2     Freunde findet man überall - sogar beim Sonntagmorgen-Einkauf

 Letztes Wochenende waren schlussendlich meine Eltern zu Besuch. Da sie mit dem Auto (voller Schokolade, Schnaps & Dosenfutter) anreisten, nutzte ich die Möglichkeit, ein paar abgelegende Orte, wie die Inseln & Schären des Trondheimfjords, zu erkunden und mir auch endlich am Meer den Wind durch die Haare zauseln zu lassen. (Trondheim liegt an einem großen Fjord und eine Menge Land schiebt sich noch zwischen mich & das Nordpolarmeer). Natürlich sind wir auch wieder viel gewandert & ich habe mein erstes Bier in einer Bar genossen. 59 Kronen, also 8,50 € (und das ist der «studentpris») für einen halben Liter ist schon nicht schlecht, oder? Bei einem Ladenpreis von 24 Kronen aber schon wieder fast gerechtfertigt ;)

Sonnenuntergang ist jetzt schon 18.30.Papa ist jetzt Waffelfan (Act-like-a-norwegian Regel #1: Waffel mit brunost, einem nach Karamell schmeckenden Ziegenkäse. Naja..)Gratiswaffeln im Hotel, das nenn ich Service!Schöne Lage :)  Die vielen Regenbögense entschädigten für die intermittierenden Schauer! Am Meer!!! ..es windet! Huch..fast reingefallen! 

[Die restlichen Bilder reiche ich nach, sobald ich herausgefunden habe, wie mein PC die Canon erkennt. Ideen?]

høst - Herbst tranebær (Preiselbeeren) Trondheimfjord Trondheimfjord Am Meer!

Die Wochen zwischen den Besuchen waren recht vollgepackt mit Vorlesungen, die ich auch immer noch überraschend gut frequentiert besuche und anderem Unikram. Aktuell plane ich meinen 10-tages Roadtrip nördlich des Polarkreises (Lofoten & Tromsø) und freue mich schon wahnsinnig auf atemberaubende Landschaft, die 1000er zu erklimmen, im Zelt zu frieren und hoffentlich viele viele Sonnenstürme (= Nordlichter!).

Lofoten-Panorama. Na, auch Fernweh?!

Lasst euch von Christian doch mal vorschwärmen, wie schön es hier ist & kommt mich ganz bald besuchen solange ihr noch könnt!

 Ha det bra & bis bald

 Gedrückt, Anne

Dienstag, 11.09.2012

Superhuman

Vor ein paar Tagen hatte ich bei 2 oder 3 Gläsern Gin ein Gespräch mit Catalina, einer sehr spanischen Studentin aus Jerez de la Frontera. Sie erzählte mir, sie hätte das Gefühl, Trondheim & das Auslandssemester machten sie zu einem unternehmungslustigeren, offeneren, mutigeren Menschen - einer Art „Superhuman“. Vielleicht kam das Gefühl auch ein bisschen durch den Gin.

Als ich am letzten Freitag bei strömendem Regen und 5°C mit Zelt, Thermounterwäsche und Schlafsack in einem Bus voller wanderfreudiger Medizinstudenten in Richtung Trollheimen saß, kam mir dieses Gespräch wieder in den Sinn und ich musste unverzüglich schmunzeln. Sie hatte Recht! Zuhause käme es mir nicht im Traum in den Sinn, mich zu einem Camping-Wochenende aufzumachen, wenn der Wetterbericht -2°C und Regen/Schnee verspricht. Unter die „Superhuman“-Gefühle mischten sich schnell aber auch eine Menge Zweifel, ob ich die folgenden 2 Nächte wohl überleben werde und wie schnell der Spaß in einem nassen Schlafsack vergehe.

Halbwegs trockenen Zeltplatz gefunden? Kein Regen? Jackpot! Soll uns warm halten... Immerhin ist unsere Laune wasserdicht! :)

Eine Wahl hatte ich sowieso nicht mehr (denn zurückfahren und sich als Schwächling outen, lässt niemandes Ego zu). Ein bisschen Glück hatten wir auch, denn der Regen stoppt grade so lange, dass wir Zelt & Schlafsack trocken aufbauen konnten. Die Nacht war zunächst weniger kalt als erwartet, Thermounterwäsche, Mütze & 2 Schlafsäcke halten mich ziemlich warm. An viel Schlaf war dennoch nicht zu denken, ein 3-Mann-Zelt ist eben doch nur für 2 Männer (und Frauen) geeignet. Nach und nach krochen auch die Kälte & Feuchtigkeit in meine Schlafsäcke, da war es doch ganz gut, dass Béatrice & Tomaš mir halfen, das Zelt ein wenig aufzuheizen. Am nächsten Morgen starten wir früh, natürlich im Regen. Meine Wanderschuhe motzte ich mit Plastiktüten auf (danke Hurricane-Festival!), so blieben die Socken wenigstens die ersten Stunden trocken. Auf unserer insgesamt 8h dauernden Wanderung haben wir das Gefühl, alle 4 Jahreszeiten zu erleben. Aus dem Regen wurde auf etwa 1200m Schnee - und auf dem Rückweg lachte plötzlich die Sonne!* Ein kleiner Schneesturm und die schlechte Sicht hinderten uns daran, die letzten Meter zu unserem Ziel, dem 1669m hohen Snota, aufzusteigen. Aussicht & Wanderung waren bisher trotzdem unglaublich schön und da die nassen Füße auf der Schneedecke doch ein wenig zu frieren begannen, sind wir gar nicht böse, dass wir den Rückweg antreten.

Auf gehts! Wasser von oben, unten, innen, außen. Schneesturm (dies ist allerdings eine sehr euphemistische Darstellung, ihr könnt euch vorstellen, dass unerfrorene Finger dann doch vor tollen Bildern gehen :D ) Matpause heute im Stehen Wo kommt auf einmal die Sonne her? Wenn erfrorene Finger nicht mehr funktionieren wollen... geschafft! :) Schnell weiterlaufen bevor es kalt wird! Man soll ja keine Wolkenschlösser bauen - Unser Ziel auf 1669m ist für heute unerreichbar. Keine Angst vor nassen Füßen! (das ging nicht zu drehen. iPhones sind schlauer als ich) Abstieg & Sonnenschein  Wieder zurück gab's als Belohnung ne grillpølse

Zurück im Camp beschloss die Gruppe, doch noch am selben Abend zurück nach Trondheim zu fahren, am nächsten Tag stünde sowieso keine weitere Wanderung auf dem Plan.

Wieder im Bus freue ich mich auf trockene Socken, eine heiße Dusche und darüber, dass ich wieder ein bisschen über mich selbst hinausgewachsen bin.

 In diesem Sinne, nutzt den Tag & alle Herausforderungen,

Bis bald & Ha det bra

 

Anne

 

*Tipp für alle Besucher: Das Wetter wechselt generell wirklich schnell und man muss sich immer auf alle Wetterlagen gefasst machen! Auf die Packliste gehören neben wasser- und winddichten Klamotten auch jede Menge warme.

Samstag, 08.09.2012

2. Hyttatur

Am letzten Wochenende machten wir uns mit 4 Autos und 19 Menschen auf in Richtung Süden nach Oppdal, wo wir eine kleine aber feine Hütte (hytta) des Ski- und Fjellsportvereins der Uni gemietet hatten. Eigentlich liegt der Sinn einer Solchen darin, sich, bewaffnet mit Karte & Kompass, durch die wilde Natur zu kämpfen und nach einigen schweißtreibenden Stunden endlich das ersehnte Ziel zu erreichen. Mit 19 mehr oder weniger gut ausgestatteten Leuten gestaltete sich dieses Vorhaben allerdings ein wenig schwierig. Wir entschieden uns schlussendlich für die Touri-Variante: mit dem Auto soweit es geht - und die letzten 500m laufen. Schade wie ich fand, aber morgen ist ja auch noch ein (Wander-) Tag!

Auf geht's! Unsere Hytta  bål - Lagerfeuer

Bis auf eine Sauna (ja, die gibt’s hier in vielen Hütten!) ließ die Hütte auch keine Wünsche offen. Kleine Küche mit Waffeleisen :), Wohnzimmer mit Gitarre & Ofen, Feuerstelle und Plumpsklo, fließend Wasser gab's am 100m entfernten Bächlein (guter Bierkühler!).

Wir bauen einen Damm. Klassenfahrt! Mit Thea, Anne, Teddy, Nora, Lucie, chloé, Jaan, Julian, Max, Rahim (vlnr oben), Ysaline, Béatrice, Mateus, Alexis, Ellika, Miguel, Timo, Julius & Albaro.

Lagerfeuer an, 4 Kilo Nudeln kochen, Würste grillen & Füße wärmen, die kalten Biere genießen. Schnell kamen Dunkelheit und Kälte, aber das Feuer und ein paar selbstgedichtete Lieder in Gitarrenbegleitung hielten uns noch eine Weile wach, bevor wir uns auf ins Schlafgemach machten. Ein bisschen wie Klassenfahrt :)

Nach einem ausgiebigen Waffelfrühstück machten wir uns nächsten Morgen doch noch auf zu einer kleinen Wanderung, entdeckten unterwegs ein erstes Schneefeld (im August!) und genossen bei strahlendem Sonnenschein die Aussicht über Oppdal.

Pilze sehen zwar schön aus, anders als bei Beeren, sollte man aber in den meisten Fällen verzichten. Viele Giftpilze! Schnee!Jeg <3 snø Echte Männer ;)  På toppen - auf dem Gipfel  Jeg <3 snø

Am Sonntag fuhren wir auf einer unbeschreiblich schönen Route nach Norden. Das einzig nervenaufreibende beim Autofahren sind die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Wenn man auf gerader Strecke 70km/h fahren muss (und wirklich 70, denn 6 km/h zu viel kosten läppische 124€), dann kann sich eine Autofahrt schon mal ziemlich in die Länge ziehen. Die Aussicht auf Fjord & Fjell entschädigt aber allemal!

Erster Stopp: Stiklestad, der Ort an dem der Heilige Olav (norwegischer König von 1015-1028, auch genannt „Der Dicke“) 1030 in der wohl wichtigsten damaligen Schlacht getötet wurde, markierte sie doch den Übergang von der Wikingerzeit ins christliche Mittelalter. Ein bisschen komisch, „den Dicken“ zum Märtyrer und Heiligen zu erklären, finde ich, nachdem er jahrelang mit brutaler Gewalt versucht hatte, seinem Volk den christlichen Glauben aufzuzwingen. Erst nach seinem Tode gelang ihm dies, in der Nähe seines Grabes seien Wunder geschehen, erzählt man sich. Für religiöse Auseinandersetzungen scheint mir jetzt jedoch nicht der passende Zeitpunkt und somit setzen wir unsere Reise fort, zum „goldenen Umweg“, einer kleinen Halbinsel, deren Beschreibung zwar kitschig aber ziemlich nah an der Wahrheit ist! :) An einem kleinen Hafen decken wir uns mit Fisch ein und bestaunen die riesigen, alten Holzkutter. Ich kriege nicht wenig Lust, ein Weilchen hinaus auf Meer zu fahren und mir mit Fischgeruch in der Nase den kalten Wind durch die Haare wehen zu lassen. Der Tag neigt sich leider viel zu schnell dem Ende und so machen wir uns auf den Rückweg. Und ich mich für heute auf ins Bett!

Ausssicht über den Fjord Ich will raus aufs Meer.Auf Umwegen. Mit Nora, Nele, Chloé, Ysaline, Béatrice, Teddy, Kristina & Alexis  Noch ist Beerenzeit: bringebær.

 

Ha det bra,

Anne

Donnerstag, 30.08.2012

Hverdagen.

(Alltägliches)

Habe mich heute bei der Polizei registriert (keine Sorge: kein Delikt, das müssen alle Studis) und damit bin ich jetzt ganz offiziell in Trondheim wohnhaft*. Mit dem Start der Uni letze Woche und dem allmählichen Versiegen der täglichen Wohnheims-Feten kehrt auch hier so langsam der Alltag ein. Bei Pärchen sagt man ja, die "Honeymoon-Phase" sei vorüber, sowas gibt's scheinbar auch auf Reisen. Das heißt nichts Schlechtes, aber wie in einer Beziehung erlebt man die alltägliche Routine hier genauso schön, aber anders.    Ich verlaufe mich nicht mehr jeden Tag und wenn ich Menschen für Erinnerungsfotos vor dem Nidarsdomen posieren sehe, denke ich "Diese Touristen..", notiere insgeheim, dass ich selbst ein Solches noch dringend brauche und freue mich darüber, dass ich noch ein Weilchen bleiben kann!

Um mich nun auch in meinem Kämmerchen einzuleben, habe ich heute Ikea einen Besuch abgestattet und musste mich beim Anblick der Preisschilder zum Glück gar nicht erst am Riemen reißen! (Man merkt eben doch, dass die Norweger reich sind. Nicht nur, wenn sie bei laufendem Motor 'nen kurzen Abstecher in den Supermarkt machen.) Nur das nötigste & ein bisschen Unnötiges sind in den Korb gewandert, jetzt sieht's schon ein bisschen wohnlich aus (und duftet nach Vanille!).

2 weitere Triumphe (Triümphse?) sind diese Woche zu verzeichnen.                                     I. Habe endlich ein Radl erstanden, mit der ewigen Lauferei ist jetzt also Schluss. Um in ein Busticket zu investieren, bin ich zu geizig. Bei einem Einzelfahrtspreis von 40 NOK (= 6€) beiße ich lieber in den sauren Apfel und laufe die 40min bergauf in die "Partystadt". Der Rückweg ist immerhin bergab.

II. Bin zufällig auf einen kleinen "Einwandererladen" (ähnlich unseren "Türkenläden" - darf man das heute noch sagen, oder ist das schon Rassismus?) gestoßen, der Obst & Gemüse zum halben Preis anbietet. Nachdem ich die ersten 2 Wochen von Brot & Käse (und pølse, ihr erinnert euch?!) gelebt habe, ist jetzt auch damit Schluss und Skorbut nicht mein Todesurteil. Gegen teures Fleisch habe ich übrigens Eisentabletten eingesteckt (danke, Mama!). Lächelnd

Auf dem Rückweg von Ikea habe ich mit dem neu erworbenen Drahtesel einen Schlenker runter zum Fjord gemacht. Da lugte grade die Sonne hinter den Wolken hervor und es hat fast eine Stunde gedauert, bis ich mich von dem Anblick (fjord og fjell) losreißen konnte. So ganz ist der "Honeymoon" also doch noch nicht vorbei!

Wie immer 1000 Küsse und Grüße, habt einen famosen Sommer!

Anne

 

*West- (bzw. Süd-)pakete also bitte an:

Anne Reinsch c/o Karoline Søberg Lindstad ( Wichtig, ich habe keine eigene Postadresse)                   Klostergata 43                                                                                                               7030 Trondheim                                                                                                                   Norge

Dienstag, 28.08.2012

Første hyttatur

Hei hei ihr Lieben!

Während meiner 2. Woche in Trondheim hat sich die Sonne leider nur wenig blicken lassen. Wie erwartet kehrt nun der wahre norwegische Sommer ein, 15°C und Nieselregen. Da der Wetterbericht für das Wochenende aber Besserung versprach*, beschlossen wir, eine erneute Wanderung in die Bymarka zu unternehmen. So lange es nicht wie aus Eimern schüttet, ist das die beste Art hier ein Wochenende zu verbringen. Der im Allgemeinen abgehärtete Norweger sagt dazu jedoch nur: Det finnes ikke dårlig vær, bare dårlige klær. (Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung. Klingt logisch.)

Los ging’s also Samstag früh (die beiden vorherigen Tage wurde ausgiebig gefeiert, daher steht „früh“ in dem Falle für 13 Uhr!) Mit der Tram fuhren wir zum Lian Lake, dem Punkt an dem unsere letzte Wanderung endete. Da kennen wir uns ja schon fast aus, haben wir uns gedacht.

(Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie die Geschichte weitergeht - und ich bin mir sicher, so begann auch der eine oder andere schlechte Horrorfilm.. trotzdem erzähle ich einfach fröhlich weiter.)

  Already lost.1. Tour. Anne, David, Chloé, Kristina, Béatrice, Thea, Minon, Natalie, Simon. 

Also: Pustekuchen! Nach nur 5 Minuten hingen wir ratlos über der Karte, weder Wegweiser noch Einheimische konnten aushelfen. Da der Weg laut Aushang jedoch nur 3km zu unserem heutigen Ziel betrug, wir jenes in der Ferne schon anpeilen konnten und uns der Sonnenschein lockte, machten wir uns einfach auf den Weg, folgten abwechselnd unserer Intuition und den sehr vereinzelt auftauchenden Wegweisern. Nach vielem Rauf & Runter, Hin & Her und einem riesen Umweg über Hügel und durch die Wetlands erreichten wir unser Ziel dennoch nach nur 2 Stunden mit knurrendem Magen & ziemlich nassen Füßen. Die Bezeichnung „wetland“ (Feuchtgebiet) sollte man übrigens wirklich nicht unterschätzen. Auf den Wiesen und Tälern steht teilweise das Wasser, und wer nicht aufpasst, steckt schneller als gedacht bis zum Knöchel im Schlamm! Da kann man die Schuhe auch gleich weglassen.

 Wenn die Füße sowieso nass sind... In den wetlands.Ziel erreicht! Studenterhytta.AusblickZur Stärkung gab's Eierkuchen.

Die Füße hielten wir erst ein paar Minuten in die Sonne und genossen den Ausblick über Trondheim, bevor wir uns auf in die hytta (Hütte) zum pancake dinner machten, wo die dampfenden Eierkuchen nur darauf warteten, von uns verschlungen zu werden. Nachdem wir uns gebührend gestärkt hatten, unternahmen wir eine Expedition ins Unterholz und kehrten schon nach kurzer Zeit mit 2 randvoll gefüllten Eimern voller blåbærer (Blaubeeren) zurück. Für den Nachtisch war also gesorgt.

(Jäger oder Sammler? Habt ihr euch eigentlich schon mal überlegt, was ihr im Steinzeitalter gewählt hättet? Ich habe meine Wahl jedenfalls getroffen.)


AusbeuteMultebær. Schmecken komisch, sind aber selten, deswegen sind die Norweger trotzdem stolz drauf :)

Unsere Finger waren schnell blau und verfroren, da kam uns die frisch angeheizte Sauna in der hytta grade recht. Aufgewärmt & entspannt versammelten wir uns hinterher in der stua (Stube) und lauschten ein paar norwegischen Trink- und Liebesliedern. Hier ein kleiner Ausschnitt, ihr könnt das gerne selbst durch den google translator jagen oder ganz eurer Phantasie überlassen, ich verrate euch mal die beiden Schlüsselwörter: øl = Bier, dram = Schnaps

Studenter i den gamle stad, ta vare på byens ry!
Husk på at jenter, øl og dram var kjempenes meny.
Og faller I alle mann alle, skal det gjalle fra alle mot sky.
La'kke byen få ro, men la den få merke det er en studenterby!
Og øl og dram, og øl og dram, og øl og dram, og øl og dram.

 Weil es hier oben einfach so hyggelig (gemütlich) ist, beschlossen ein paar von uns über Nacht zu bleiben, den Schlafsack hatten wir für alle Fälle sowieso im Gepäck. (Ihr stellt euch das jetzt übrigens zu Recht wie in einer sehr kitschigen Folge von „Der Bergdoktor“ vor!)

Abendlektüre: STAR WARS Jedi-Ridderen vender tilbake. :)

Für mich war die Nacht trotz kühler Bergluft nicht sehr erholsam, grade heute gibt meine Erkältung richtig Vollgas. Am nächsten Morgen geht’s auch nicht besser, aber da frische Luft bekanntlich hilft und (werdende) Mediziner die schlimmsten Patienten sind, geht’s natürlich auch am Sonntag wieder auf eine Wanderung. Auf den 11km passieren wir einfach unbeschreiblich schöne Landschaften und kämpfen uns durch Gestrüpp (mal wieder verlaufen wir uns, haben diesmal aber GPS!) und über schlammige Wiesen bis zum Gipfel und wieder zurück.

2. Wanderung in abgewandelter Besetzung. Nienke, Andy, Béatrice, Anne, Chloé, Veron (& Nikita)Ausblick II Am Abgrund. Nienke&Anne       Til topps: Storheia. 565m

So geht ein schönes & ereignisreiches Wochenende zuende. Ich werf‘ jetzt `ne Aspirin ein, pack mich ins Bett & flöße mir 2 Liter Tee ein. Wir sind also doch keine so schlechten Patienten! ;)

Har det bra , Bis bald & Genießt den Sommer!

Anne

 

*Der Wetterbericht hat natürlich gelogen. Und eigentlich sieht der jeden Tag gleich aus:

Freitag: Schade, heute leider Regen. Dafür morgen und am Sonntag Sonne!

Samstag: Schade, heute leider doch Regen. Dafür morgen und am Montag Sonne!

Sonntag: Schade, heute leider doch Regen. Dafür morgen & den Rest der Woche Sonne!

 

 

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